#Coronaµdigkeit #NeunMonateTwitter #Grounded

Ich habe echt langsam keine Lust mehr auf Corona, und bin überzeugt, dass durch mehr Vernunft und Rationalität der derzeitige Anstieg der Zahlen vermeidbar gewesen wäre. Als generell vorsichtiger, oft sogar ängstlicher Mensch habe ich durchaus Verständnis für irrationale Sorgen. Ich verstehe auch, dass es für Leute, die kein naturgegebenes Talent für Mathe haben (auch so wie ich), schwer ist, statistische Zusammenhänge (Einordnung von Impfquoten, Beurteilung von Impfdurchbrüchen, usw.) zu durchdenken oder sich – immer noch, nach fast zwei Jahren Corona – exponentielle Anstiege von Fallzahlen vorzustellen. Aber das kann man alles lernen.

Ich hatte zum Beispiel sehr lange Flugangst, mit den typischen irrationalen Befürchtungen: „Gerade weil es so selten Abstürze gibt, muss es doch mich treffen!“ Durch Fliegen lernen, also nicht nur theoretisch oder am Simulator zu verstehen, wie ein Flugzeug fliegt, sondern durch das Erfahren am eigenen Leibe, ist es mir gelungen, diese Angst einzudämmen und zu kontrollieren.

[Leider bin ich aus finanziellen Gründen derzeit #Grounded, also erst mal für längere Zeit nicht mehr in der Luft, was mit einer für mich überraschenden Traurigkeit und einem echten Gefühl der Einschränkung der Bewegungsfreiheit auf nur noch zwei Dimensionen einhergeht, aber das ist ein anderes Thema und ließe sich auch gut unter Privilegienchecks diskutieren.]

Genauso jedenfalls kann man sich mit Corona-Tools (wie der Impfung) befassen und verstehen, warum sie nicht schlimm, sondern hilfreich ist. Aber sowas trifft mittlerweile häufig sofort auf Abwehr. Guckt man sich halt nicht an, versucht es nicht mal. Ein bisschen wie in Brechts „Leben des Galilei“, wenn man halt bei festen Überzeugungen bleibt, ohne empirische Fakten dagegen auch nur als potenziell gültig zu prüfen.

Vielleicht braucht es daher den Druck der Masse? #allesindenArm ist gerade ein Twitter-Trend, bei dem alle möglichen Leute dazu aufrufen, sich endlich impfen zu lassen. Zurzeit ist er bei 68.400 Tweets, was sehr viel ist, vor allem im Vergleich zu impfkritischen Hashtags (die ich nicht verlinke, was wiederum durch das Hashtag #FalseBalance begründet werden könnte). Es ist in gewisser Weise beruhigend zu sehen, dass ‚die Mehrheit‘ ähnlich denkt wie ich. Natürlich ist letzteres kein Wert an sich. Aber vor dem Hintergrund der rationalen Beschäftigung mit der Corona-Thematik macht es doch Hoffnung.

Seit Januar 2021 übrigens habe ich einen Twitter-Account, …

[Edit: äh … was dann 11 Monate sind, nicht 9 wie in der Überschrift … so viel zu meinem Mathetalent 😀 ]

… um auszuprobieren, wozu das gut ist und wie sich das anfühlt. Uta Buttkewitz hat ja in ihrem Buch kritisiert, dass es kurze folgenlose Kontakte sind, um die es in ’sozialen‘ Medien geht, aber das ist nicht immer so. Ich hatte auch positive Twittererlebnisse: Wenn Wissenschaftler*innen Erklärthreads zu diversen Themen posten; wenn (wie beim Historikertag neulich) parallel auf Twitter diskutiert werden kann, was ein schönes Gefühl der Teilhabe erzeugt; oder wenn man über interessante Veröffentlichungen und Veranstaltungen informiert wird. Auch als simpler Newsfeed der üblichen Zeitungen und Nachrichtensendungen lässt sich Twitter benutzen.

Aber, ja, wesentlich sind immer auch Selbstdarstellung (persönlich oder zu Werbezwecken), Affektentladung als Einzelne*r oder hinter Hash-getaggte Twitter-Trends versammelte Gruppe, sowie das kurzfristige Belohnungsgefühl eines „Likes“ (nett) oder gar eines „Retweets“ (viel besser). Gerade letzteres ist mir selten vergönnt, was vermutlich heißt, dass die Dinge, die ich dort schreibe oder verlinke, nicht relevant genug für meine derzeit 55 „Follower“ sind. 🙂

Author: Dr. Mario Donick

#Digitalisierung #Kommunikationsanalyse #Technikvertrauen #Softwaretransparenz ... und #Spiele @DonickMario

2 thoughts

  1. Keine Lust mehr auf Corona? Das unterschreibe ich sofort. Ich mag nicht mehr mit Maske einkaufen gehen oder überhaupt damit „unter Menschen“ gehen.

    Leider erleben wir gerade eine Entwicklung der Pandemie im Land, die absehbar, aber niemals kommuniziert wurde: Jeder außerhalb medizinischer Erfahrungen musste davon ausgehen, dass zwei Impfungen ausreichen, um (wie lange von Politikern versprochen) zu einem normalen Leben zurückkehren zu können. Jetzt kann es gar nicht schnell genug gehen mit einer dritten Impfung (wo und durch wen bitte, wenn – fast – alle Impfzentren abgebaut worden und niemand weiß, wo die die Menge der Booster-Impfstoffe herkommen sollen). Geimpte werden „plötzlich“ damit konfrontiert, dass sie sich weiterhin anstecken können. Und damit auch andere… Also weiter mit Kontaktbeschränkunge, weiter nur mit Maske.

    Das alles wurde nie so gesagt (obwohl es korrekt ist und von Anfang an dazu gehört hätte) und zerstört (!) den Sinn jeglicher Impfkampagen, weil die (wenn überhaupt einmal) handelnden Politker sich als vollumfänglich inkompetent herausgestellt und aktuell geradezu lächerlich gemacht haben. Sie haben „bewiesen“, dass sie wie immer nur abgewartet und nichts getan haben als als zu reden. Leider heilen Sprechblasen keine Infektionen.

    Was nun wiederholt wird, sind Weigerungen hinsichtlich einer allgemeinen Impfpflicht gegen Covid, weitere sinnfreie Ministerpräsidenten-Konferenzen, ein folgender 16-facher und vielfach mehr geänderter Flickenteppich angeblicher „Gegenmaßnahmen“ und eine sich ausbreitende Ratlosigkeit, da es offenbar keine Ärzte gibt, die gefragt werden könnten oder nur von Politikern auch nur ansatzweise als kompetent bewertet werden.

    Das alles hinterlässt desillusionierte Bürger und solche, die keinerlei Vertrauen mehr in die „die da oben“ haben. Da schließt auch die „dringenden Appelle“ der geschäftsführenden Bundeskanzlerin Merkel ein, die letzte Woche gefordert hat, endlich (Gegen-)Maßnahmen umzusetzen und zu verschärfen. Wo bitte waren Sie in den letzten zwei Jahren, Frau Dr. Merkel? Im Metaversum? Das ist frech, das ist abscheulich, arrogant und ignorant. Das freut letztlich nur die AfD, die als einzige lachen kann ob der Etnwicklung: Wenn die Impfungen nicht „wirken“, warum das Ganze also? Das mag so mancher frustrierter Bürger denken.

    Fazit: Nichts (!) gelernt aus zwei Jahren Corona-Krise, kein vorausschauenden Maßnahmen oder Vorbereitungen auf weitere „Wellen“, kein nachweisbarer Wissensaufbau, immer wieder überrascht werden durch die weiteren Entwicklungen – immer wieder hingelegt und weitergeschlafen. Danke für Nichts!

    Verzeihung: Bin abgeglitten… Was ist Twitter 😉

    1. Dass die Wirkung der Impfung nach spätestens 6 Monaten nachlässt – individuell auch durchaus früher – ist von Anfang an bekannt und wurde in seriösen Medienberichten auch thematisiert. Als Wiebke ihre 2. Dosis im Mai glaub ich erhalten hat, hab ich schon gesagt „na dann hast du jetzt erstmal bis Herbst Ruhe“.

      Dass man trotzdem weiterhin Abstand halten und Maske tragen sollte, war eigentlich auch klar, spätestens seit den israelischen Meldungen über Impfdurchbrüche. Impfung ist eine wichtige, aber nicht die einzige Komponente, und vor allem kein Freifahrtsschein.

      Leider hat „die“ Politik das nicht deutlich genug gesagt.

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