Kurzkritik: The Flight Attendant

Man sollte echt keine Menschen in Schubladen stecken. Im Bereich Film & Fernsehen gilt das sowohl für die Schauspieler*innen als auch für ihre Rollen. Ich habe gerade die acht Folgen umfassende US-amerikanische Serie „The Flight Attendant“ mit Kaley Cuoco in der Hauptrolle beendet (HBO Max, Amazon Prime). Ich war nicht nur insgesamt positiv überrascht von der Qualität der Serie, sondern auch speziell von Cuocos Darstellung und der Entwicklung ihrer Rolle. Was als skurrile, ins comedyhafte driftende und sehr vergnügliche Reise beginnt, entwickelt sich schnell in eine tragikomische Richtung, deren zunehmende surreale Elemente eher dramatisch als lustig sind. Eine eigentümliche Mischung, mit der ich so nicht gerechnet hätte.

Cassie Bowden (Kaley Cuoco) ist Flugbegleiterin in der 1. Klasse einer Airline. Ihr beruflicher Alltag spielt sich zwischen Thailand und Korea, Rom und New York ab. Ihre Freizeit verbringt Cassie mit Partys, kurzen Affären und ziemlich viel Wodka. Eines morgens wacht sie in Thailand (es wurde übrigens wirklich vor Ort gedreht) neben der Leiche von Alex Sokolov (Michiel Huisman), ihres One-Night-Stands vom Vortag, auf. Ihr bisher durch den Wechsel von Flugplänen, Hotelaufenthalten und Erholung zu Hause durchgetaktetes Leben gerät dadurch erwartbar aus den Fugen. Schnell ist sie die Hauptverdächtige für die zur Amtshilfe dazugebetene FBI-Ermittlerin Kim Hammond (Merle Dandridge) und ihren tendenziell übergriffigen Kollegen Van White (Amadeus Strobl). Mit ihrer besten Freundin und Anwältin Annie (Zosia Mamet), regelmäßigen inneren Monologen mit einem sehr lebendig wirkenden Ebenbild von Alex und viel chaotischer Entscheidungsfreude versucht Cassie, ihre Unschuld zu beweisen und gleichzeitig der mysteriösen Miranda (herrlich irre: Michelle Gomez) auf die Schliche zu kommen, ohne von der umgebracht zu werden.

Was als eher heiterer Spaß beginnt, wird im weiteren Verlauf düsterer, je mehr man von Cassies verdrängter Vorgeschichte erfährt. Kindheitstraumata werden durch Flashbacks erst mysteriös angeteasert und am Ende befriedigend aufgelöst. Bis dahin zweifelt man mitunter daran, was real ist und was vielleicht Folge von Cassies zunehmender Alkoholabhängigkeit. In den besten Momenten hat mich die so erzeugte Atmosphäre positiv an die britische Serie Life on Mars (2006) erinnert, in der Dramatik und Komödie ebenfalls auf sehr skurrile und zugleich anrührende Weise verschmolzen waren.

Nein, eine weltumspannende Verschwörung gibt es trotz des globalen Settings in The Flight Attendant nicht, die Dramen liegen letztlich auf der persönlichen Ebene, und das wird von Kaley Cuoco wirklich überzeugend gespielt. Man hofft und leidet mit ihr, auch wenn sie einem manchmal auf die Nerven gehen kann. Wer die Schauspielerin nur als Penny aus The Big Bang Theory kennt, kann in The Flight Attendant sehen, dass sie durchaus zu mehr in der Lage ist.

Eine zweite Staffel der Serie, die auf einer Buchvorlage von Chris Bohjalian aus dem Jahr 2018 basiert, wurde bereits genehmigt.

The Flight Attendant Trailer (HBO Max, 2020)

Author: Dr. Mario Donick

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