Lesetipp: „Avantgarde der Computernutzung. Hackerkulturen der Bundesrepublik und DDR“ von Julia Gül Erdogan

Der [sic, da fälschlich meist männlich vorgestellte] Hacker wird von vielen Leuten noch immer als Bedrohung angesehen. Da sind Bilder von Einbrüchen und Diebstählen im Kopf. Dabei geht es beim Hacken eigentlich um Zweckentfremdung von bzw. kreativen Umgang mit Technik. Die Historikerin Julia Gül Erdogan hat nun ein Buch vorlegt, das Hackerkulturen in Deutschland untersucht — und zwar, was sehr erfreulich ist, in beiden früheren deutschen Staaten. Denn auch in der DDR gab es eine lebhafte Computerszene; ich selbst bekam kurz nach der Wende einen ausgemusterten „Kleincomputer KC85/3“ geschenkt und damit habe ich sehr viel gelernt, was mir heute noch hilft. Vor allem, dass wir vor Computern und ihren für Laien manchmal undurchschaubaren Leistungen keine Angst zu haben brauchen. Die Blackbox lässt sich öffnen.

Ein offenes Verhältnis zur Technik ist sowohl Folge als auch Voraussetzung für einen selbstbewussten Umgang mit ihr. Um in der immer mehr von Computern strukturierten Welt handlungsfähig zu bleiben, dürfen wir uns selbst nicht als der Technik hilflos ausgesetzt ansehen. Leider wird das durch immer abgeschlossenere technische Systeme heute stark erschwert — Technik wird in der Bedienung einfacher, aber wollen wir sie tiefer durchdringen, gibt es oft keine handhabbaren Ansatzpunkte mehr, zumindest nicht für Selbststudium oder das spielerische Ausprobieren. Das war in der 1980ern noch anders, und wie sich das in Ost wie West in der Gesellschaft niederschlug — inklusive der Frage nach weiblichen Hacker*innen — stellt Julia Gül Erdogan in ihrem Buch ausführlich da.

Author: Dr. Mario Donick

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