Lesetipp: Gentrifizierung als Verblassen städtischer Atmosphäre am Beispiel von Paris (New York Times)

Im Quartier Latin (Lateinisches Viertel) in Paris sterben die Buchläden, wie die New York Times berichtet. Das hat auch mit der Corona-Pandemie zu tun, aber vor allem mit Gentrifizierungs-Prozessen, die seit Jahren stattfinden. Menschen fühlen sich von dem Charme eines Stadtviertels angezogen, im Beispiel etwa den engen Straßen, den vielen Buchläden, den Kinos, den Cafés, der studentischen Atmosphäre. Darum ziehen sie da hin, verdrängen durch steigende Mieten die früheren Bewohner*innen und damit auch traditionelle Geschäfte.

Buch- und Plattenläden würden durch Hotels und Supermärkte ersetzt, statt studentischer Bewohner*innen (die sich die Mieten nicht mehr leisten können) kämen Wohlhabende und Airbnb-Tourist*innen. Und die wundern sich dann, dass die Atmosphäre, wegen der sie gekommen sind, nach und nach verblasst: „new residents were attracted by the neighborhood’s cultural atmosphere but ‚do not participate in it'“ wie es im NYT-Artikel heißt.

Das ist der Kern des Problems. Atmosphäre ist nicht einfach da und wird passiv wahrgenommen, sie entsteht im Austausch von und mit Menschen. Gentrifizierung ist der erfolglose (auf Ebene der Einzelperson sicher oft unbewusste) Versuch, lebendige städtische Atmosphären für eine wohlhabende Zielgruppe zu konservieren. Das kann nicht funktionieren.

Author: Dr. Mario Donick

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