Corona-Müdigkeit IV: Gegen den Inneren Lockdown

Es ist jetzt fast auf den Tag genau ein Jahr her, dass ich das erste Mal über Corona-Müdigkeit schrieb. Da war COVID19 in Deutschland gerade erst so richtig angekommen, und mit „Müdigkeit“ bezog ich mich vor allem auf den medialen Lärm. Vier Monate später hatte sich dann Müdigkeit hinsichtlich der Gesamtsituation in mir breit gemacht, die aber dank der Sommermonate und viel Arbeit nicht sehr anhaltend war. Ende November kam sie zurück, und ehrlich gesagt hielt sie bis vor kurzem an. Während ich das im Dezember und Januar aber produktiv nutzen konnte, um unter anderem auch viele Texte für Über/Strom zu produzieren (auch eine Form von Eskapismus), waren der Februar und die erste Märzhälfte von einer echt unangenehmen Dumpfheit erfüllt, die ziemlich genau das war, wogegen sich zuletzt Kathrins Ideengeber-Artikel „Do’s & Don’ts im Lockdown des Jahrhunderts“ gerichtet hatte. Ach, diese Ironie. 🙂 Zwar habe ich weiter eine Menge geschrieben (vor allem sehr lesenswerte GameStar-Artikel). Aber bezogen auf andere Projekte habe ich mich innerlich doch irgendwie schreibblockiert gefühlt.

Und dann beschloss ich, angesichts gerade etwas niedrigerer Corona-Fallzahlen, das Home Office meines ’normalen‘ Jobs mal wieder zu verlassen und ins Büro zu gehen. Gott, war das eine gute Entscheidung. Echte Menschen. Echte Gesichter. Stimmen. Lachen. Fluchen. Diese typische Büro-Geruchsmischung aus Kaffee, Teppich, Computern, von draußen ekliger Zigarettenrauch, und irgendwo hat wieder wer nicht richtig die WC-Tür geschlossen, was man selbst mit FFP2-Maske wahrnimmt. War das schön. Ich komme eigentlich gut mit mir allein zurecht, aber offenbar kann selbst ich vereinsamen, wenn alle Kontakte nur virtuell sind.

Leider steigen die Fallzahlen jetzt wieder, sodass fraglich ist, wann ich das nächste Mal ins Büro gehe. Aber selbst diese eine Woche war ein scheinbar sehr nötiges soziales Auftanken, ohne das man gegen den inneren, ich möchte fast sagen seelischen, Lockdown nicht ankommt. Echt spannend.

Author: Dr. Mario Donick

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