Tipps gegen Update-Stress

Wir leben in der Zeit der „ewigen Beta“. Die Programme, die heute auf unseren Computern, Tablets und Smartphones laufen, werden immer weniger als fertiges Produkt angesehen, sondern als Dienstleistung — „Software as a Service“. Wir bezahlen keine Ware, sondern erwerben eine Nutzungslizenz, oder wir schließen Abonnements ab. Eine neue Version der Software wird so oft nicht mehr explizit erworben, sondern kommt automatisch, und wenn wir ein Programm starten, um einfach damit zu arbeiten, müssen wir mitunter erstmal minutenlang warten, bis es sich aktualisiert hat.

Bekanntestes Beispiel ist Microsofts Betriebssystem Windows 10, das ca. zwei Mal im Jahr ein großes Update erhält und dazwischen mehrere kleine. Die lassen sich zwar für einige Tage verschieben, sind aber schließlich zwingend zu installieren. Auch Apple hat Mitte 2020 in seinem Betriebssystem macOS die Möglichkeit entfernt, Updates zu ignorieren. Das mobile Betriebssystem Android, viele Spiele und Anwendungsprogramme (oder „Apps“) erscheinen ebenfalls als „rolling release“ ohne absehbaren Endzustand.

Beispiele für Update-Stress

Solch regelmäßige Aktualisierungen beheben heute nicht nur Fehler, damit am Ende ein möglichst ‚rundes‘ Produkt entsteht. Oft fügen sie neue Funktionen hinzu, verändern oder entfernen bekannte Funktionen und bringen leider auch neue Fehler mit. Das alles kann auf Nutzer*innen-Seite echten Stress verursachen.

Nicht nur an mir selbst, auch in meinen diversen Kundenservice-Erfahrungen erlebe ich immer wieder Kombinationen von Situationen wie den folgenden:

  • Ein Update verändert Bezeichnungen, Symbole oder die Anordnung von Bedienelementen so, dass bekannte Funktionen nicht mehr wiedergefunden oder nicht mehr korrekt bedient werden können, obwohl sie ansonsten weiter vorhanden sind. Das bereitet Menschen große Schwierigkeiten, die sich mit Mühe in eine Nutzerschnittstelle eingearbeitet hatten und nun umlernen müssen. Das betrifft mehr Leute, als man als computeraffiner Mensch glaubt.
  • Ein Update verändert bekannte Funktionen so, dass die Leistungen dieser Funktionen (ihre Ergebnisse oder Effekte) anders sind als zuvor. Funktion A hatte vor dem Update Effekt 1 und 2, nach dem Update hat sie vielleicht noch Effekt 3, oder Effekt 2 wurde entfernt, weil dafür nun eine neue Funktion B eingeführt wurde.
  • Ein Update verändert die ‚harten‘ technischen Voraussetzungen, die nötig sind, damit das Programm vernünftig läuft — es benötigt auf einmal mehr Speicher, einen besseren Prozessor oder eine bessere Grafikkarte, um genauso schnell wie zuvor auf unsere Wünsche zu reagieren. Im schlimmsten Fall stellen wir dann fest, dass wir auch die Hardware selbst aktualisieren müssen, damit alles wieder gut funktioniert.
  • Ein automatisches Update wird genau dann durchgeführt, wenn man es gerade am wenigsten brauchen kann — statt einfach schnell die jeweilige Aufgabe zu erledigen, muss man erstmal warten, bis das Update fertig ist. Wenn dafür auch noch lange Downloads nötig sind, während der Internetzugang vielleicht gerade durch andere Haushaltsmitglieder ausgelastet ist, kann das sehr frustrierend sein.
  • Ein automatisches Update ist nicht verhinderbar („Zwangsupdate“) oder kann nicht auf einen geeigneteren Zeitpunkt verschoben werden.
  • Es wird nicht verständlich erklärt, was ein Update für Änderungen zur Folge hat, und ob es wichtig oder unwichtig für meine eigene, ganz konkrete Nutzungssituation ist.

Ihnen fallen sicher noch andere Punkte ein. Jedenfalls kann all das ‚ganz schön stressig‘ sein.

Tipps gegen den Updatestress

Auf Updates zu verzichten, ist keine gute Idee, denn oft sind die Änderungen positiv und wichtige Fehlerquellen oder Sicherheitslücken (die sich eben nie ganz im Vorfeld verhindern lassen) werden behoben. Auch Zwangsupdates können sinnvoll sein, um gegen akute Sicherheitsprobleme oder Fehler mit großen Auswirkungen vorzugehen. In diesen Fällen mag das — eigentlich ziemlich übergriffige — Verhalten der großen Softwarefirmen gerechtfertigt erscheinen, denn ein nicht aktuell gehaltenes System wird im Internet auch zur Gefahr für andere.

Daher folgen nun einige einfache Tipps, wie man Updatestress vorbeugen kann.

  1. Vereinfachung I: Man muss nicht gleich „Digital Detox“ machen, aber was nicht installiert ist, braucht auch keine Updates. Viele Geräte werden von Anfang an mit Software geliefert, die man gar nicht verwendet. Misten Sie Ihre Geräte daher regelmäßig aus und vermeiden Sie es, irgendwelche Programme aus dem Internet oder Apps aus dem Appstore runterzuladen, nur weil die Werbung irgendwelche Wunder verspricht oder ein neues Programm toller aussieht als das alte. Neu ist nicht immer besser.
  2. Vereinfachung II: Im Laufe der Zeit sammeln sich heute ziemlich viele Geräte an. Das ist nicht nur ein Problem für die natürlichen Ressourcen der Erde, das Klima und die Stromrechnung. Jedes Gerät will gewartet sein, und gerade Geräte, die wir nur selten verwenden, sind beim nächsten Mal erstmal lange mit Aktualisierungen beschäftigt. Beschränken Sie sich daher auf wenige, möglichst langlebige Geräte, die Sie wirklich brauchen und regelmäßig verwenden.
  3. Erkennen Sie Ihren Bedarf: Um zu ermitteln, welche Geräte und Programme wir ‚wirklich brauchen‘, hilft es, mal einen Monat Tagebuch über die eigenen Nutzungsgewohnheiten zu führen. Was tue ich in welchem Umfang mit meinem Smartphone, meinem Tablet, meinem PC und meinem Laptop? Kann ich eventuell bei der nächsten Mobilfunkvertragsverlängerung auf ein neues Gerät verzichten? Kann das Tablet möglicherweise PC und Laptop ersetzen? Muss das Telefon wirklich ’smart‘ sein, wenn ich daneben auch ein Tablet habe? Verzichte ich vielleicht sogar ganz auf Smartphone und Tablet, um die Computer dorthin zu verbannen, wo sie hingehören (nämlich auf den Schreibtisch statt auf die Couch oder neben das Bett)? Habe ich das Gefühl, dass die Verwendung von Gerät A, Programm B oder App C mir einen echten Nutzen oder Freude bringt? Wenn nicht, weg damit.
  4. Legen Sie Updates auf eine günstige Zeit: Um zu vermeiden, dass sich Updates gerade dann in den Vordergrund drängen, wenn Ihnen das gar nicht passt, planen Sie regelmäßige Zeitfenster für Updates ein — so wie für den Hausputz. Der ist übrigens eine gute Zeit, um größere Updates durchzuführen (besser, als Geräte dafür nachts angeschaltet zu lassen, während wir schlafen). Während wir Staub saugen, das Bad putzen oder abwaschen, können parallel Updates runtergeladen und installiert werden — die Geräte nutzen wir da ohnehin nicht und wenn wir mit der Hausarbeit fertig sind, dürften die meisten Updates auch abgeschlossen sein. Falls zwischendurch ein Neustart nötig ist, ist der auch schnell erledigt.
  5. Verschieben Sie brandneue Updates eine Weile, wenn möglich: Wenn es nicht gerade um wichtige Sicherheitslücken geht, warten Sie einige Tage ab. Schon öfter hatten etwa Nutzer*innen von Windows 10 das Problem, dass der Computer nach Updates nicht mehr startete; der Hersteller zog dann diese Updates zurück und brachte später korrigierte Versionen heraus. Mittlerweile kann man eine „Update-Pause“ für bis zu 35 Tage in Windows 10 einstellen; unter Umständen ist das sinnvoll.
  6. Informieren Sie sich im Internet, ob ein Update Probleme bereiten könnte. Seriöse Seiten sind dafür etwa technische Nachrichtenportale wie heise.de oder golem.de; Social Media und Foren verbreiten hingegen oft auch oft Halbwissen und Mythen.
  7. Machen Sie Backups: Wertvolle Texte, Fotos, Musik, usw. sollten regelmäßig gesichert werden — das geht zwar in der Cloud, aber falls das Internet mal ausfällt, schadet es auch nicht, traditionelle Backups auf externen Datenträgern zu haben. Das nimmt die Sorge davor, alles zu verlieren, wenn mal etwas schiefgeht. Sie müssen dazu keine komplexe Backupstrategie mit zig Versionen einführen. Machen Sie einfach jede Woche eine Sicherung der wichtigsten Ordner und löschen Sie nach vier Wochen die jeweils älteste Sicherung. Auch dies lässt sich übrigens mit dem Hausputztermin kombinieren.

Fazit

Natürlich könnte man noch viel weitergehen. Man könnte selbst zum ‚Techniknerd‘ werden, ein freies Betriebssystem wie Linux installieren und so eine fast vollständige Kontrolle über die eigenen Geräte und Programme erlangen. Dies jedoch verschiebt den eigenen Fokus von der möglichst einfachen Nutzung und verlangt zeitaufwendige Einarbeitung (an deren Ende zwar ebenfalls eine elegante Form von Einfachheit stehen kann, aber der Weg dahin braucht etwas Zeit und Lernwillen). Die genannten Tipps hingegen — sie dienen letztlich der Systematisierung und dem Gewinnen eines Überblicks — lassen sich auch in einem ’normalen‘ Nutzungsalltag umsetzen.

(Titelbild: mohamed_Hassan / Pixabay.com)

Author: Dr. Mario Donick

#Digitalisierung #Kommunikationsanalyse #Technikvertrauen #Softwaretransparenz ... und #Spiele @DonickMario

2 thoughts

  1. Hm, ja, im Prinzip stimme ich hier voll und ganz zu. Leider bin ich aber letztens selbst in so eine Update-Falle getappt, aber das Problem ist dann bei Smartphones ja: die großen Firmen scheinen sich um die durch Updates erzeugten Probleme kaum zu kümmern. Es gibt für nicht technik-affine Menschen kaum die Möglichkeit, ein Problem zu melden, geschweige denn mit einem Menschen zu sprechen, der das Problem als solches erkennt und ein Ticket dazu aufmacht. Hier muss man wirklich sagen, ein System, welches auf Open Source aufbaut ist von solchen Problemen eher verschont, weil man Wert auf die Nutzer legt.

    Konkret funktioniert bei meinem Android Handy (Samsung M30) seit dem letzten System-Update der Wecker nicht mehr richtig – eine DER wichtigsten Funktionen für ein Handy heutzutage (finde ich). Der Wecker lässt sich nämlich nicht mehr ausschalten, ohne die Handy-Pin einzugeben, weil der Fingerabdrucksensor nicht mehr richtig funktioniert und das Display nicht aktiviert wird, wenn der Wecker anspringt. Das ist extrem nervig. Auch wurde durch das Update die Kamera-Funktion schlechter: der automatische Weißabgleich funktioniert nicht mehr so, wie vorher. Bilder sind jetzt immer irgendwie überbelichtet und sehen billig(er) aus. Leider lassen sich solche Probleme bei komplexen Produkten auch nur schwer in Worte fassen und sind nicht richtig messbar, weil ein downgrade (für einen vorher-nachher Vergleich) nicht vorgesehen ist. Eigentlich ist es dann nur noch frustrierend, wenn das neue Gerät nach ein bis zwei Jahren plötzlich so viele Macken hat, das es keinen Spaß macht, dieses Produkt zu nutzen. Man könnte meinen, das ist so gewollt. Aber das wird doch wohl keiner unterstellen, oder? 😇🙄

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