Essay Tagebuch

Laptop, Internet und Yogalehr-Ausbildung gehen jetzt auch zusammen Teil 3/3

Eine der letzten analogen Hochburgen, die Yogalehr-Ausbildung ist nun auch digital. Ich durfte dabei sein! Dies ist Teil 3 von 3, meines Erfahrungsberichtes, aus dem sich Wertvolles und Hilfreiches für den Alltag im digitalen Zeitalter ableiten lässt.

In der ersten Woche berichtete ich kurz von der Geschichte der Yogalehrtradition und vom Intensiv-Programm des analogen Formates im Ashram (klosterähnliches Meditationszentrum1 /Ort, an dem Yoga und andere spirituelle Praktiken praktiziert und gelehrt werden2).

In der zweiten Woche berichtete ich vom Online-Format und davon, wie Analog- und Onlineformat der Yoga-Lehrausbildung mit all seinen Gesunderhaltungsmaßnahmen zum Aufbau neuer gesünderer Verhaltensweisen anregen kann.

Nun möchte ich, nach zwei-wöchiger freiwilliger Isolation mit Intensiv-Programm in den eigenen vier Wänden, etwas zur sozialen Komponente der Online-Yogalehr-Ausbildung sagen.

Photo by Pixabay on Pexels.com

Wo Menschen sind, da menschelt’s!

Ein großer Vorteil der Online-Ausbildung war aus meiner Sicht, dass ich mich ganz auf mich selbst fokussieren durfte. Viele Gespräche, das ‚Sich zum Essen verabreden‘, sich gemeinsam über die Intensität des Programmes ärgern, oder darüber, dass der Dozent gefühlt immer überzieht, obwohl das Programm schon so dicht ist, sich gemeinsam über nervig oder überflüssig empfundene Fragen anderer Teilnehmer*innen ärgern und Höflichkeiten, wie das Türen aufhalten, fallen weg.

Hier besteht eine gewisse Gefahr, dass ihr mich im besten Fall für unsozial haltet. Das bin ich ganz sicher nicht. Wenn es nun aber für ein bis zwei Wochen das Ziel ist, nach innen zu schauen, zu beobachten auf welchen Schaukeln denn die Affen im eigenen Kopf so unterwegs sind und zur Ruhe zu kommen, ist es sinnvoll nicht unentwegt nach außen reagieren zu müssen.

Im Alltag und auch an den Schweigetagen im Analog-Format im Ashram merkte ich, wie wahnsinnig energieaufwendig und anstrengend Kommunikation doch sein kann.

Obwohl für die menschliche Psyche und darüber auch für den Körper unverzichtbar, wertvoll, freude-bringend und gesund, wenn erfolgreich, tun sich in zwischenmenschlicher Kommunikation eben auch immer wieder schwere Abgründe und Missverständnisse auf. Diese wiederum können das Gefühl von Unverstanden sein, unmittelbar damit verbunden, der Einsamkeit und tiefer Traurigkeit mit sich bringen.

Das liegt heute sehr viel daran, dass das Gegenüber in der Regel, vor allem im Alltagsstress und irgendwann aus Gewohnheit, gar nicht wirklich zuhört (im Sinne von Aktivem Zuhören nach Carl Rogers), sondern seine eigenen Neuronen schon auf der Suche nach eigenen Mustern sind, die dann als Antwort von den zuständigen Motoneuronen ausgespuckt werden und mit meiner Aussage nicht mehr viel zu tun haben. Häufig fängt der Satz des Gegenübers dann auch mit ‚aber‘ an, oder wird irgendeine Art von Belehrung.

„Ich weiß nicht, was ich gesagt habe, bevor ich die Antwort meines Gegenübers gehört habe.“

Paul Watzlawick

Herz und Kopf schmerzen mir dann, weil ich weiß, dass dies wieder eines der Gespräche ist, die nicht auf Augenhöhe stattfinden und nicht dafür da sind, das Gegenüber tatsächlich besser zu verstehen.

Und selbst wenn das Zuhören klappt, sind Realitäten, Worte und Interpretationen von Worten beider am Gespräch Beteiligter so vielschichtig, dass man doch häufig aneinander vorbei redet und es eben ganz viel Zeit, Herzwärme und aktives Zuhören braucht, bis sichergestellt ist, das Person B die Lebenswelt von Person A ansatzweise verstanden hat und so auch für sich selbst etwas neues mitnehmen kann.

Bildquelle: unbekannt

Wenn es bei all diesem Aufwand nur um das Wetter geht, darum, ob es nun zu warm, zu kalt, zu windig, zu wolkig, zu sonnig, zu trocken, zu nass ist, dann möchte ich mir den Energieverlust, welcher meinem Gehirn bei diesem Gespräch entstehen würde, gerne ersparen.

Die Schweigetage im Analog-Format der Ausbildung und das Online-Format boten sich hervorragend an, um selbst zu merken, welche Gespräche wirklich nötig sind und welche eben unnötig. Ganz herrliche Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin.

Und doch möchte ich deutlich hervorheben, dass eine dauerhafte Isolation der Gesundheit schadet. Ich habe mich (so gut es eben durch die Corona-Maßnahmen ging) vorbereitet, z.B. habe ich vor und nach meiner zwei-wöchigen freiwilligen Isolation sehr proaktiv dafür gesorgt, Treffen mit Freund*innen zu haben und auch an den zwei halb-freien Tagen des Online-Formats unter Menschen zu sein und einige der Pausen draußen an der frischen Luft zu verbringen.

Auch handelte es sich bei der Online-Ausbildung zwar um einen längeren Zeitraum ohne körperliche Kontakte. Ich war aber doch den ganzen Tag intensiv und gemeinsam mit rund 40 anderen Teilnehmenden in ein Programm eingebunden und hatte so eine feste Struktur. Solch eine feste Struktur kann sehr viel Sicherheit mitbringen und konnte für mich so einige Unsicherheiten und fehlende Routinen im Zusammenhang mit den notwendigen Corona-Maßnahmen ausgleichen.

Wir brauchen den persönlichen Kontakt und das persönliche Gespräch, auch wenn es nicht immer zufriedenstellend sein sollte. Auch das muss sich beobachten und durch geeignete Werkzeuge aushalten oder ändern lassen.

Uta Buttkewitz veröffentlichte ja gerade zur Kommunikation im digitalen Zeitalter mit seinen Herausforderungen und möglichen Gefahren in der Über/Strom-Reihe ihr Buch „Smiley. Herzchen. Hashtag. Zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter von Facebook, WhatsApp, Instagram @ Co.“

Tiefes Lernen durch tiefe Erfahrungen

In der Online-Ausbildung konnte ich mich sehr gut auf die Lehrinhalte konzentrieren. Ich konnte selbst mal eben etwas nachschlagen oder vertiefen und die Inhalte sind bei mir deshalb und aufgrund der stressfreien Umgebung auch sehr gut ‚hängen‘ geblieben. Inhalte, von denen ich ohnehin schon mehr weiß, als die Ausbildung abdecken konnte, z.B. Körperphysiologie, habe ich weniger intensiv gehört, bzw. tiefere Parallelen zum Yoga ziehen und verinnerlichen können.

Ohne Ablenkungen von außen war auch die Konzentration in der Meditation für mich leichter zu erreichen. Auch die Tiefenentspannung war tiefer und energetisierender. Und weil ich so ohne große Ablenkung war, habe ich auch Dinge gelernt, die ich in der Präsenzausbildung vermutlich nicht in Angriff genommen hätte. So kann ich jetzt auch den Kopfstand und übe das Rad. Am Pfau versuche ich mich auch, aber der braucht noch ein bissel bis ich ihn vorführen wollen würde.

Gemeinschaftsgefühl geht auch online

In unserer Online-Ausbildung gab es viele engagierte Teilnehmende, welche auch kleinere Gruppen für Chats und WhatsApp-Gruppen zum Austauschen organisiert haben.

Auch die Lehrproben fanden in kleinen Gruppen von 3-4 Personen statt, in denen wir hübsch geschnattert haben, Daumen für den Prüfling gehalten haben, uns anleiten lassen haben, selber Prüfling waren… Das hat ein schönes Gemeinschaftsgefühl geschaffen. 

Unsere Ausbilder*innen und das Team drumherum haben durch ihre persönliche Art und persönliche Geschichten viel Nähe geschaffen. Die Hauptausbilderin meinte sogar, dass sie in der Online-Ausbildung mehr Persönliches geteilt hat, als jemals zuvor in den Präsenz-Ausbildungen. Einer der Zoom-Technik-Verantwortlichen hat uns über WhatsApp, Bilder von ‚hinter den Kulissen‘ geschickt, weil er diese Ansicht mit uns teilen wollte. Das fand ich großartig und hat für mich viel Nähe geschaffen.

Der Höhepunkt an Gemeinschaftsgefühl war für mich der bunte Abend, den wir Teilnehmenden selbst organisierten. Hier haben viele Teilnehmenden Geschichten aus dem eigenen Leben erzählt. Eine Teilnehmerin hat aus ihrem Nepal-Reisetagebuch gelesen, das war sehr berührend. Andere haben musikalisch performt, eigene Gedichte gelesen, oder uns zu indischen Rezepten angeleitet.

In der Summe gab es sehr viele, sehr schöne soziale Gemeinschaftserlebnisse in der Online-Ausbildung, so dass zumindest ich mich in meinem zwei-wöchigen Rückzug niemals allein, geschweige denn einsam gefühlt habe.

Namasté und viele Sonnengrüße

Kathrin

Literaturverlinkungen

1 www.de.wikipedia.org/wiki/Aschram

2 www.wiki.yoga-vidya.de/Ashram

4 Kommentare zu “Laptop, Internet und Yogalehr-Ausbildung gehen jetzt auch zusammen Teil 3/3

  1. Pingback: Laptop, Internet und Yogalehr-Ausbildung gehen jetzt auch zusammen Teil 2/3

  2. Pingback: Laptop, Internet und Yogalehr-Ausbildung gehen jetzt auch zusammen

  3. Ullrich

    Ich halte dich nicht für unsozial sondern für einen sehr beeindruckenden Menschen, dem Yoga sehr viel bedeutet – ich finde es faszinierend danach sein Leben auszurichten!
    Ullrich

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    • Dr. Kathrin Marter

      Lieber Ullrich!

      Hab ganz lieben Dank für das schöne Feedback. Ich freue mich!

      Namasté

      Kathrin

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