Medienschau

7 aus dem Strom: KW21

Forschung und Diskussionen zu Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz, veränderter Mediennutzung oder neuen technologischen Entwicklungen wirken wie ein endloser Strom mit vielen Abzweigungen. Einmal in der Woche verlinken wir sieben besonders interessante Neuigkeiten.

Künstlerische Darstellung des Mars 2020-Rovers. Bildnachweis: NASA / JPL-Caltech

Im Juli 2020 will die NASA wieder einen Rover auf den Mars senden. Die Sonde soll u.a. nach Spuren mikrobiellen Lebens suchen und Methoden zur Generierung von Sauerstoff aus der Mars-Atmosphäre testen. Für Mars 2020 wurde nun eine Marketing-Aktion wiederbelebt, bei der Menschen ihre Namen an Bord des Rovers mitschicken können. In einem Formular gibt man Namen, Land und E-Mail-Adresse ein, anschließend wird ein „Flugticket“ generiert, das man sich als Andenken abspeichern oder ausdrucken kann. Dieselbe Aktion gab es schon in den Jahren 2014 und 2018. Beim ersten Mal „flog“ der Name beim Testflug des Orion-Raumschiffs mit; letztes Jahr ging es mit InSight schon einmal auf den Mars.


Elon Musks Weltraumunternehmen SpaceX hat mit einem Start ihrer Falcon 9-Rakete 60 Kommunikationssatelliten gleichzeitig ins All geschossen (Video). Die Satelliten gehören zu einem Starlink genannten Projekt und sollen einmal 12.000 an der Zahl werden. Sie sollen Internet-Zugang auch für entlegene Regionen der Welt ermöglichen. (Quelle: spiegel.de)


Auf ZEIT online ist ein umfangreiches Interview mit der italienischen Astronautin Samantha Cristoforetti erschienen, in dem sie auch über die Herausforderungen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Mitgliedern unterschiedlicher Nationen auf der Internationalen Raumstation spricht.


Murray Gell-Mann (Bildnachweis: Wikipedia/Joi)

Der amerikanische Physiker Murray Gell-Mann (1929-2019) ist am 24. Mai gestorben. Gell-Mann forschte am California Institute of Technology (Caltech) zur Teilchenphysik. Am bekanntesten ist er als einer mehrerer Entdecker der Quarks genannten Teilchen, aus denen u.a. Protonen und Neutronen (Bestandteile von Atomkernen und Beispiele für Hadronen) bestehen. Gell-Mann postulierte die Quarks im Jahr 1964; im Jahr 1969 erhielt er den Nobelpreis für Physik für seine Arbeiten zur Klassifizierung der Elementarteilchen. Gell-Mann war an einer großen vereinheitlichten Theorie (Grand Unified Theory) interessiert; später arbeitete er zur Frage komplexer Systeme in Biologie, Ökologie, Soziologie und Informatik. Dies stellte er 1994 in seinem Buch „Das Quark und der Jaguar“ für die breite Öffentlichkeit dar (vgl. dazu Bernd Gräfraths durchaus kritische Rezension aus dem Jahr 1995).


In freier Wildbahn lebende Schimpansen scheinen möglicherweise in der Lage zu sein, für die Zukunft zu planen. Dies ist zumindest eine Intepretation, die Simone Pika, Harmonie Klein, Sarah Bunel, Pauline Baas, Erwan Théleste und Tobias Deschner in einem Paper zur Schildkrätenjagd durch Schimpansen vertreten. Zwischen 2016 und 2018 beobachteten die Autor*innen mehrere Schimpansen-Individuen im Loango-Nationalpark (Gabun) bei der Jagd nach Schildkröten und ihrem Umgang mit der Beute. In einem Fall aß der männliche Schimpanse seine Beute nicht vollständig auf (oder ließ sie einfach liegen), sondern verstaute die Reste in einer Astgabel. Etwa 100 Meter entfernt baute er sich in einem anderen Baum ein Nest und schlief. Am nächsten Tag ging der Schimpanse zum ersten Baum zurück und verzehrte die Reste vom Vortag. Die Autor*innen sehen zwei Möglichkeiten als plausible Erklärung für ihre Beobachtung: Einerseits kann es sich einfach um eine gute Gedächtnisleistung des betreffenden Individuums handeln — der Schimpanse könnte am zweiten Tag Hunger verspürt und sich an die ablegte Futterquelle erinnert haben. Dies, so die Autor*innen, würde aber nicht erklären, warum der Schimpanse die Schildkröte in die Astgabel gelegt (anstatt einfach liegen gelassen) hat. Die Autor*innen halten es daher für möglich, dass der Schimpanse für ein zukünftiges Bedürfnis geplant hat. (Quelle: spektrum.de)


Wie Künstliche Intelligenz zu ihren — aus naiver Beobachtersicht nicht selten beeindruckenden — Schlüssen kommt, ist zurzeit oft unklar — man sieht die Ergebnisse, aber nicht, worauf sie beruhen. Dies ist ein Problem, das der Informatik durchaus bekannt ist und an dem gearbeitet wird. Die FAZ berichtet über zwei Studien, bei denen KI-Systeme die Schlüsse ihrer neuronalen Netze erklären. In einer der Studien geht es um die Einstufung von Tumoren. Wenn ein medizinisches KI-System seine Ergebnisse in verständlicher Sprache darlegt (offenbar ebenfalls durch ein neuronales Netz ermöglicht), können Ärzt*innen die Ergebnisse besser beurteilen als sich schlimmstenfalls blind darauf verlassen zu müssen.


Häufig werden neuronale Netze als mathematisches Modell in gewöhnlichen Computern erzeugt. Es gibt aber auch Ansätze, Computerchips als künstliche Neuronen auszulegen; dies nennt man „neuromorphe Chips“. Wiederum die FAZ berichtet über ein Projekt, bei dem Forscher aus Münster, Oxford und Exeter einen neuromorphen Chip entwickelt haben, der keine elektrischen Bauteile nutzt, sondern allein Licht verwendet. Getestet wurde das System, wie oft bei neuronalen Netzen, mit Mustererkennungs-Aufgaben.

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